Die Kreisverwaltung Schleswig-Flensburg hat auf Initiative der Hegeringgemeinschaft Fröslev-Jardelunder Moor eine verkehrsrechtliche Anordnung erlassen, um die Verkehrssicherheit auf der sogenannten Betonstraße (L192) zu verbessern. Hintergrund ist eine auffällig hohe Zahl von Wildunfällen auf mehreren Abschnitten der Strecke.
Künftig werden daher an zwei besonders betroffenen Streckenabschnitten Wildwechsel-Warnschilder aufgestellt. Zusätzlich wird in einem besonders unfallträchtigen Bereich (zwischen der Kreuzung „Zur Fehle“ und der Einmündung „Osterbylund“) die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h begrenzt.
Hohe Zahl an Wildunfällen im Jagdjahr 2025/2026
Auslöser der Initiative ist die Entwicklung der Wildunfälle im Gemeindegebiet Jardelund. Nach Angaben der Hegeringgemeinschaft sind im Jagdjahr 2025/2026 (1. April bis 31. März) insgesamt 36 Stücke Wild dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen.
Den größten Anteil machten dabei Rot- und Rehwild mit rund 70 Prozent aus. Darüber hinaus wurden auch andere Wildarten Opfer von Verkehrsunfällen, darunter:
Damwild
Feldhasen
Füchse
Marderhunde
Marder
Dachse
Diese hohe Anzahl an Wildunfällen hat die örtlichen Jäger dazu veranlasst, gemeinsam mit den zuständigen Behörden Maßnahmen zur Gefahrenreduzierung zu initiieren.
Tierfundkataster liefert Grundlage für Unfallschwerpunkte
Die Grundlage für die verkehrsrechtliche Anordnung bildet die Tierfundkataster-App, in der bundesweit Wildunfälle mit genauer Ortsangabe erfasst werden.
Durch die Auswertung dieser Daten lassen sich Unfallschwerpunkte identifizieren, an denen sich Wildunfälle besonders häufig ereignen. Genau an diesen Punkten sollen die nun angeordneten Maßnahmen ansetzen und die Gefahrenlage entschärfen.
Besonderes Risiko durch Rotwild
Eine besondere Gefahrenlage entsteht durch das Verhalten von Rotwild.
Rotwild lebt in Rudeln, die von einem Leittier angeführt werden. Überquert dieses Tier eine Straße, folgen häufig alle weiteren Tiere unmittelbar. Für Verkehrsteilnehmer bedeutet das: Selbst wenn ein einzelnes Tier die Fahrbahn bereits überquert hat, können weitere Tiere direkt folgen.
Hinzu kommt das enorme Gewicht der Tiere. Ein Zusammenstoß mit einem ausgewachsenen Rothirsch kann selbst bei moderater Geschwindigkeit enorme Kräfte freisetzen. Bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h kann die Aufprallenergie einer Wucht von bis zu fünf Tonnen entsprechen.
Gerade auf der L192 wird jedoch häufig deutlich schneller gefahren. Nach Beobachtungen vor Ort werden dort nicht selten Geschwindigkeiten von über 100 km/h erreicht.
Appell an die Verkehrsteilnehmer
Die Hegeringgemeinschaft Fröslev-Jardelund begrüßt die nun angeordneten Maßnahmen ausdrücklich. Gleichzeitig betonen die Beteiligten, dass Verkehrsschilder allein nicht ausreichen, um Unfälle vollständig zu verhindern.
Als Wildwechselbereich wird der Streckenabschnitt zwischen den Einmündungen „Erlenweg“ und „Ostersteenberg“ gekennzeichnet und innerhalb des Streckenabschnitts „Zur Fehle“ und „Osterbylund“ gilt nun zusätzlich die Begrenzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h.
Besondere Aufmerksamkeit ist insbesondere erforderlich:
in der Dämmerung und im Morgengrauen,
in Wald- und Feldrandbereichen,
sowie in den Wochen nach der Zeitumstellung, in denen statistisch eine Häufung von Wildunfällen festzustellen ist.
Autofahrer werden daher gebeten, gerade auf der Betonstraße besonders aufmerksam zu fahren und ihre Geschwindigkeit den örtlichen Gegebenheiten anzupassen.
Mit der Aufstellung von Wildwechsel-Warnschildern und der Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf einem Teilabschnitt der L192 soll die Verkehrssicherheit für Mensch und Tier gleichermaßen verbessert werden. Die Verantwortlichen hoffen, dass durch die Maßnahmen die Zahl der Wildunfälle künftig deutlich reduziert werden kann.